Aktuelle Themen in der nachhaltigen IT-Beschaffung
Aktuelle Trends, konkrete Lösungsansätze und internationaler Erfahrungsaustausch: Beim CFIT-Treffen in Ljubljana zeigte sich, wie nachhaltige IT-Beschaffung in der Praxis umgesetzt werden kann – von längeren Nutzungsdauern über Kreislaufmodelle, bis hin zu mehr Transparenz in der Lieferkette. Die zentralen Erkenntnisse und Beispiele aus der Beschaffungspraxis finden Sie im Nachbericht.
Anfang Juni nahm Laura Bauer von der naBe-Plattform am persönlichen Treffen des Circular & Fair ICT Pact (CFIT) in Ljubljana teil. Dieses internationale Netzwerk bringt öffentliche Auftraggeber, Städte, internationale Organisationen und weitere Partner zusammen, um die nachhaltige und faire Beschaffung von IT-Produkten voranzubringen. Ziel ist es, durch gemeinsamen Austausch und abgestimmte Ansätze den Markt in Richtung mehr Kreislaufwirtschaft, längerer Nutzungsdauer und verbesserte Arbeitsbedingungen in der Lieferkette zu entwickeln.
Die Weiterentwicklung von Anforderungen und Kriterien spielte eine zentrale Rolle. Dabei ging es zum einen um die stärkere Nutzung von Umweltzeichen vom Typ 1 als einfach anwendbaren Nachweis (lesen Sie hierzu den naBe-Artikel Umweltzeichen Typ 1: Orientierung und Vertrauen für nachhaltige Beschaffung). Neue Entwicklungen betreffen unter anderem Anforderungen an Recyclinganteile, den Umgang mit problematischen Stoffen sowie produktspezifische Regeln. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Einsatz solcher Kriterien stärker differenziert und anwendungsnah gestaltet werden muss.
Im Bereich Kreislaufwirtschaft wurden konkrete Umsetzungsmodelle vorgestellt. Ein Beispiel ist ein System, bei dem gebrauchte Geräte zentral gesammelt, aufbereitet und wieder in den Markt gebracht werden. Ein Teil der Erlöse fließt dabei an die ursprüngliche Organisation zurück. Solche Modelle bieten einen einfachen Einstieg und können auch wirtschaftliche Vorteile bringen, erfordern jedoch eine entsprechende Skalierung sowie transparente und nutzerfreundliche Prozesse. Gleichzeitig wurde deutlich, dass echte geschlossene Kreisläufe noch selten sind und weiterer Entwicklungsbedarf besteht.
Die Erfahrungen der teilnehmenden Organisationen, etwa aus Kopenhagen, zeigen zudem, dass sich soziale Kriterien auch wirtschaftlich positiv auswirken können. Gleichzeitig wurde betont, dass eine erfolgreiche Umsetzung klare Strategien, einfache Vorgaben und praxistaugliche Lösungen erfordert.
Ein weiterer Trend ist die Ausweitung der nachhaltigen Beschaffung auf neue Produktgruppen und Bereiche, insbesondere Rechenzentren, Datenspeicherung, Software und Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Dies zeigt, dass sich die Anforderungen zunehmend entlang der gesamten IT-Infrastruktur entwickeln und nicht mehr nur auf einzelne Hardwareprodukte beschränken.
Dies zeigt sich auch bei der neuen Zertifizierung von TCO Certified:
- TCO Certified „Cloud“ ist eine neue Nachhaltigkeitszertifizierung für Cloud Dienste. Ziel ist es, Beschaffenden die Auswahl von Cloud-Services mit geringerer Umweltwirkung zu erleichtern und gleichzeitig transparente Daten für Steuerung und Berichterstattung bereitzustellen. Mehr dazu: TCO Certified Cloud is here — the world’s first sustainability certification for cloud resources
- EPEAT® Renew™ ist eine neue Zertifizierung im Rahmen der EPEAT-Zertifizierung, die speziell auf wiederaufbereitete IT-Produkte abzielt. Ziel ist es, klare Anforderungen für die Qualität, Aufbereitung und Rückverfolgbarkeit solcher Geräte zu definieren. Im Fokus stehen unter anderem standardisierte Prozesse zur Wiederaufbereitung, die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit sowie transparente Informationen zu Herkunft und Zustand der Geräte. Dies schafft einen Rahmen, um Wiederverwendung stärker in der Beschaffung zu verankern. Aktueller Status: Feedback EPEAT Registry
Auch auf der Beschaffungsebene gab es praktische Überlegungen: Das Vertragsmanagement als Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Diskutiert wurde der Einsatz von übergeordneten Rahmenwerken, etwa im Kontext von ESG, um Anforderungen systematisch zu dokumentieren und auch nach Vertragsabschluss nachverfolgen zu können. Konkret wurde ein zweistufiger Ansatz besprochen: Zunächst erfolgt die Dokumentation relevanter Informationen durch Anbieter, etwa zu Kapazitäten und Möglichkeiten entlang der Lieferkette, anschließend erfolgt eine aktive Nachverfolgung und Ansprache durch die Beschaffungsseite.
Insgesamt wurde im Austausch deutlich, dass viele Herausforderungen in der nachhaltigen IT-Beschaffung über Ländergrenzen hinweg ähnlich sind. Gleichzeitig gibt es bereits zahlreiche erprobte Ansätze, auf die aufgebaut werden kann. Der Mehrwert des CFIT liegt darin, dieses Wissen zu bündeln, voneinander zu lernen und gemeinsam an konkreten Lösungen zu arbeiten. Die naBe-Kriterien und das Beratungsangebot der naBe-Plattform erleichtern die Implementierung (Services).
Fazit: Nachhaltige IT-Beschaffung gelingt vor allem dann, wenn Akteurinnen und Akteure ihre Erfahrungen teilen, gemeinsame Ansätze entwickeln und diese konsequent in die Praxis umsetzen. Netzwerke wie CFIT leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag, indem sie Austausch ermöglichen, Orientierung geben und die Weiterentwicklung von Kriterien und Instrumenten unterstützen.
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