Good Practice-Beispiel: Uniform-Recycling Pioniere
Dieses Beispiel gehört zur Sammlung der Good Practice zur nachhaltigen Beschaffung. In den Beispielen werden Beschaffungsprojekte, die im Kontext des Aktionsplans für nachhaltige Beschaffung stehen, vorgestellt. Bei Fragen zu den Projekten kontaktieren Sie bitte die angegebene Ansprechperson. Sie haben auch ein Good Practice der nachhaltigen Beschaffung? Dann melden Sie sich bitte unter office@nabe.gv.at.
Fünf öffentliche Auftraggeber – Austrian Airlines, CAT, ÖBB, Österreichische Post und Wiener Linien haben sich gemeinsam mit SALESIANER zusammengeschlossen und ein Pilotprojekt zur textilen Kreislaufwirtschaft gestartet. Das Unternehmen TURNS übernimmt Sortierung und mechanische Faserrückgewinnung. EY denkstatt begleitet den gesamten Prozess als unabhängige Nachhaltigkeitsberaterin. Diese sechs großen Unternehmen bündeln Logistik, Prozesse und Materialströme, um gemeinsam eine praxistaugliche Kreislauflösung zu etablieren.
Bereits über 30 Tonnen Textilien wurden seit Frühjahr 2025 gesammelt – bis 2027 sollen es 50 Tonnen an recycelter Berufsbekleidung werden. Das ist ein konkreter, messbarer Beitrag, der das Engagement sichtbar macht und den Grundstein für weitere Kooperationen legt.
Bitte stellen Sie Ihr Projekt kurz vor.
Ein Großteil der Dienstkleidung wurde bisher thermisch verwertet, also verbrannt. Mit ihrem enormen Ressourcenverbrauch und den von ihr verursachten Müllbergen gilt die Textilbranche als besonders problematisch für die Umwelt.
Durch die gemeinsame Sammlung und Verwertung ausgedienter Berufsbekleidung entstehen skalierbare Rücknahmestrukturen, die Ressourcen bündeln, Emissionen einsparen und demonstrieren, wie zirkuläre Lösungen für Textilien in Österreich funktionieren können.
Können Sie die Vorgehensweise kurz beschreiben?
Statt verbrannt zu werden, wird aus ausgedienter Dienstkleidung ein neuer Rohstoff: Gebrauchte und nicht mehr einsatzfähige Dienstkleidung von rund 31.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird gesammelt und sortiert, anschließend recycelt und zu neuen Garnen verarbeitet. Die Textilien werden dafür von den Unternehmen im niederösterreichischen Drasenhofen zusammengetragen und dort entsprechend ihrer Faserzusammensetzung und Verarbeitungsform manuell in vier Güteklassen sortiert. Der Anteil, der sich nicht zum Recycling eignet, sondern thermisch verwertet wird, ist nun der geringste. Der verwertbare Anteil der Dienstkleidung wird mit der Bahn zu Recyclingstandorten nach Deutschland und Portugal gebracht. Dort werden die Alttextilien, die sich nicht zur Faserrückgewinnung eignen, zu Füllmaterial – etwa für Polsterungen oder Schallschutzwände – downgecycelt. Höherwertige Alttextilien werden mechanisch zu Recyclingfasern weiterverarbeitet und anschließend mit Frischfasern vermischt und zu neuem Garn versponnen. Diese Garne werden zur Herstellung neuer Flächen- oder Bekleidungstextilien verwendet – die 1er-Panier erhält damit ein zweites Leben.
Können Sie nähere Details zur Ausschreibung erläutern?
Aufgrund des Auftragswerts im Unterschwellenbereich war kein formales Ausschreibungsverfahren erforderlich. Es wurden drei Vergleichsangebote eingeholt.
Was ist der Bezug zum naBe-Aktionsplan?
Mit bereits 30 Tonnen gesammelten Textilien, einem Pilotziel von 50 Tonnen stofflicher Verwertung bis 2027 und einem mechanischen Recyclingprozess zur Rückgewinnung der Fasern leistet das Projekt einen konkreten Beitrag zu Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Sinne des naBe-Aktionsplans.
Welche Herausforderungen traten in der Umsetzung auf?
Besonders herausfordernd war im Vorfeld die Implementierung der innerbetrieblichen Sammellogistik aufgrund der großen Streuung der Standorte. Durch die Kooperationsbereitschaft aller projektbeteiligten Unternehmen wurde diese Herausforderung erfolgreich gemeistert.
Welche Ziele und welcher Mehrwert konnten dadurch erreicht werden?
Das gemeinsame Vorgehen der sechs Unternehmen hilft nicht nur, Ressourcen zu sparen, sondern unterstützt gleichzeitig den Auf- und Ausbau der heimischen Recyclingindustrie.
Ihr Rat an die öffentliche Verwaltung?
Wir möchten weitere Partnerinnen und Partner ermutigen, Kreisläufe gemeinsam zu stärken. Je mehr Akteurinnen und Akteure mitmachen, desto größer die ökologische und wirtschaftliche Wirkung.
(Sabine Krispel, Leitung Betriebsmittel, Österreichische Post)
Die Uniform-Recycling Pioniere laden deshalb Unternehmen in ganz Österreich ein, sich der Initiative anzuschließen, Stoffströme zu bündeln und textile Kreisläufe weiter auszubauen. Kreislaufwirtschaft entsteht, wenn alle ihren Beitrag leisten und gemeinsam handeln.
Weitere Hintergrundinformationen
Hinter dem Pilotprojekt steht eine mehrjährige Aufbauarbeit: Bereits seit 2023 arbeiten mehrere Partner an einer gemeinsamen Lösung, um ausreichend große Mengen an Alttextilien für ein wirtschaftlich tragfähiges Recycling zu bündeln. Vor dem Hintergrund von rund 230.000 Tonnen Textilmüll pro Jahr in Österreich (27 kg pro Person) zeigt das Projekt, wie durch Kooperation, Sortierung und gezielte Verwertung ein bislang überwiegend linearer Entsorgungsweg in einen funktionierenden textilen Kreislauf überführt werden kann.
Gemeinsam bündeln wir Mengen und schaffen Skalierung. Was früher entsorgt wurde, wird heute wieder zur Faser und stärkt Ressourcenschonung in Österreich.
(Isabella Schütz, Nachhaltigkeits- und Umweltmanagerin, ÖBB)
Weiterführende Links:
Austrian Airlines: Über uns: Mehr zum Unternehmen | Austrian Airlines
CAT: Nonstop Infos zum Flughafentransfer City Airport Train in Wien
ÖBB: Nachhaltige ÖBB – ÖBB Konzern
Österreichische Post AG: Corporate Sustainability: Unsere nachhaltigen Maßnahmen – PostAG
Wiener Linien: Startseite – Wiener Linien
SALESIANER: Together we care – SALESIANER
TURNS: TURNS – So einfach geht textile Kreislaufwirtschaft
EY denkstatt: EY – Österreich | Shape the future with confidence
Presseausendung: Global Recycling Day: Ein Jahr Uniform Recycling Pioniere – Österreichs stärkste Kooperation für textile Kreislaufwirtschaft zeigt Wirkung
Kontaktdaten
WIENER LINIEN GmbH & Co KG
Dragana Serdar, Bekleidungstechnikerin
Header & Beitragsbild: © ÖBB / Lukas Leonte


