Das war die ECOVATION 2026
Rund 850 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort, die besondere Atmosphäre der Stage 3 und ein starkes Programm: Beim Programm-Highlight ECOVATION wurde die zentrale Frage „Wie sieht die öffentliche Beschaffung 2040 aus?“ greifbar – mit klaren Impulsen für Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
17. September 2026 | 08:00 bis 18:00 Uhr & Ausklang
Stage 3, Lilienthalgasse 6
1030 Wien
Wie kann öffentliche Beschaffung dazu beitragen, Österreichs Innovationskraft, Standortqualität und nachhaltige Entwicklung gezielt zu stärken? Diese Frage stand im Zentrum der ECOVATION 2026, die am 17. September 2026 im Rahmen des Forum Öffentliche Beschaffung in Wien stattfand. Die gemeinsame Initiative von IÖB-Servicestelle und naBe-Plattform brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Recht zusammen, um die Rolle der öffentlichen Hand als strategische Nachfragerin neu zu denken.
Bereits zu Beginn wurde deutlich: Beschaffung ist längst mehr als ein administrativer Prozess. Sie kann Märkte öffnen, Innovationen ermöglichen, Kreislaufwirtschaft beschleunigen und öffentliche Mittel wirkungsorientiert einsetzen. Gerade angesichts komplexer Lieferketten, technologischer Umbrüche, knapper Ressourcen und steigender Anforderungen an Nachhaltigkeit wird sie zunehmend zu einem zentralen Gestaltungsinstrument.
Strategische Beschaffung braucht Zusammenspiel
In ihren einleitenden Worten verwiesen die Moderatoren Manuel Schuler, Leiter der IÖB-Servicestelle, und Gerhard Weiner, Leiter der naBe-Plattform, auf die Bedeutung von Austausch, Bündelung und gemeinsamer Weiterentwicklung. Innovation und Nachhaltigkeit seien keine Gegensätze, sondern zentrale Zukunftsaufgaben, die nur im Zusammenspiel von Bedarfsträgern, öffentlichen Auftraggebern, Wirtschaft, Forschung und Politik wirksam werden können. In einer Videobotschaft unterstrich Bundesminister Norbert Totschnig zudem die Rolle der öffentlichen Beschaffung als strategischen Hebel:
„Dabei müssen Kreislaufwirtschaft- und Industriestrategie gemeinsam gedacht werden, denn sie verfolgen dieselben Ziele: Ressourcen effizient nutzen, Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig heimische Wertschöpfung stärken.“
Die ECOVATION bot dafür einen Diskussions- und Erfahrungsraum: Sie zeigte, wie nachhaltige und innovative öffentliche Beschaffung praktisch gestaltet werden kann – von frühen Marktdialogen über funktionale Leistungsbeschreibungen bis hin zu Lebenszykluskosten, Kreislaufwirtschaft und neuen Partnerschaften.
Beschaffung als wirtschafts- und industriepolitischer Hebel
Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, unterstrich in ihrem Impuls die volkswirtschaftliche Dimension öffentlicher Beschaffung. Mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von rund 70 Milliarden Euro beziehungsweise etwa 15 bis 18 Prozent des BIP verfügt die öffentliche Hand über erhebliche Nachfragekraft. Entscheidend sei jedoch, wie diese Nachfrage eingesetzt wird: gezielte Programme, funktionale Spezifikationen, ausreichende Volumina und die frühe Einbindung von Bedarfsträgern können Innovationen ermöglichen und Märkte entwickeln.
Gleichzeitig verwies Köppl-Turyna auf strukturelle Herausforderungen: hohe Kosten für Verwaltung und Standort sowie teils geringe Bieterzahlen wirken sich unmittelbar auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. Besonders für KMU und junge Unternehmen brauche es daher kleinere Lose, weniger administrative Hürden, bessere Informationsaufbereitung und Möglichkeiten, über öffentliche Aufträge erste Referenzen aufzubauen.
Vergaberecht als Zukunftsrecht
Christian Richter-Schöller, Rechtsanwalt und Partner bei Schiefer Rechtsanwälte, rückte die rechtliche Perspektive in den Mittelpunkt. Sein Leitgedanke: Vergaberecht ist Zukunftsrecht. Entscheidungen, die heute getroffen werden, wirken weit über den unmittelbaren Beschaffungszeitpunkt hinaus – oft bis weit in die kommenden Jahrzehnte.
Vor dem Hintergrund europäischer Entwicklungen wie dem EU Public Procurement Act, dem Clean Industrial Deal, der Ökodesign-Verordnung und der Kreislaufwirtschaftsstrategie zeigte er auf, dass öffentliche Beschaffung Ziele wie Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz, soziale Verantwortung, Resilienz und Unabhängigkeit unterstützt. Lebenszykluskosten, funktionale Leistungsbeschreibungen, resilienz-orientierte Kriterien und neue Finanzierungsmodelle werden zu zentralen Bausteinen einer zukunftsfähigen Beschaffung.
Nachhaltigkeit, Innovation und Kreislaufwirtschaft gemeinsam denken
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Titel „Innovative Bedarfe gestalten eine nachhaltige Zukunft: Öffentliche Beschaffung als strategischer Hebel“ wurde deutlich, dass nachhaltige und innovative Beschaffung nur dann Wirkung entfalten kann, wenn sie strategisch, koordiniert und praxisnah umgesetzt wird. Vertreterinnen und Vertreter aus BMWET, BMLUK und BBG diskutierten, wie öffentliche Beschaffung als Motor für Standortentwicklung, Kreislaufwirtschaft und Innovation genutzt werden kann.
Für das BMWET wurde von Stefan Riegler (Leiter der Gruppe Forschung und Innovation) betont, dass Österreich im europäischen Vergleich bereits gut aufgestellt ist – etwa im Bereich der innovativen öffentlichen Beschaffung. Gleichzeitig brauche es einen weiteren Entwicklungsschritt: strategische Beschaffung soll künftig noch stärker für die Förderung von Schlüsseltechnologien, Innovationspolitik und industrielle Standortentwicklung genutzt werden.
Thomas Jakl, stellvertretender Leiter der Sektion V im BMLUK, sprach über öffentliche Beschaffung als „Circular Architect“. Der naBe-Aktionsplan wurde dabei als wichtiges Instrument beschrieben, um Umwelt- und Ressourcenziele in konkrete Beschaffungsanforderungen zu übersetzen. Zukünftig rücken Modelle stärker in den Fokus, die nicht den Produktverkauf, sondern die Funktionalität in den Mittelpunkt stellen – etwa Leistung statt Produkt, Nutzung statt Besitz oder Reparatur, Wiederverwendung und Aufarbeitung vor Neukauf:
„Leistungsorientierung statt Produktorientierung: Leistungsbezogen statt produktbezogen ausschreiben ist die Devise, um Anreize für alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette zu setzen, ressourcen-effizient zu agieren.“
Gerhard Zotter, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH, hob die Rolle der BBG als Plattform zwischen Politik, öffentlichen Auftraggebern, Markt, Forschung und Förderstellen hervor. Nachhaltigkeit sei eine von fünf expliziten Säulen der BBG. Um Wirkung zu erzielen, brauche es neben klaren Zielen auch Daten, Bedarfsanalysen, Fehlerkultur, Marktdialog und die Bereitschaft, neue Wege zu erproben.
Zentrale Botschaften der ECOVATION 2026
- Öffentliche Beschaffung ist ein strategischer Hebel für Innovation, Nachhaltigkeit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
- Lebenszykluskosten und Total Cost of Ownership helfen, langfristige Kosten, ökologische Wirkungen und Risiken sichtbar zu machen.
- Funktionale Leistungsbeschreibungen eröffnen Märkte und schaffen Raum für neue Lösungen.
- KMU und Start-ups brauchen einfachere Zugänge, passende Losgrößen, frühe Marktkommunikation und Referenzmöglichkeiten.
- Kreislaufwirtschaft beginnt bereits bei der Bedarfsklärung – vor dem Neukauf stehen Fragen nach Wiederverwendung, Reparatur, Teilen, Mieten oder Aufarbeitung.
- Datenqualität, Monitoring und Wirkungsmessung sind entscheidend, um strategische Beschaffung weiterzuentwickeln.
Interaktive Sessions am Nachmittag
Am Nachmittag wurde die ECOVATION im Obergeschoß mit interaktiven Sessions fortgesetzt: Im Raum ECOVATION 1 stand zunächst das Podiumsgespräch der IÖB-Servicestelle zum Thema „Quantentechnologie im öffentlichen Sektor: Chancen, Herausforderungen und erste Anwendungsfälle“ im Mittelpunkt. Parallel dazu fand im Raum ECOVATION 2 das erste naBe-Partnernetzwerktreffen statt, dass vertiefenden Austausch, Vernetzung und praxisnahe Diskussionen für naBe-Partner bot. Die zweite interaktive Session der naBe-Plattform zur „Kreislaufwirtschaft in die Beschaffung übersetzen“ lieferte Praxisbeispiele während die IÖB-Servicestelle ein IÖB-Einkäufertreffen mit Stefan Kiesling (BMJ) veranstaltete. Weitere Details zu den Sessions der IÖB-Servicestelle finden Sie im Nachbericht auf der IÖB-Website.
Exklusiver Austausch im naBe-Partnernetzwerk
Das erste naBe-Partnernetzwerktreffen bot erstmals einen exklusiven Austauschraum für die strategischen Partnerorganisationen der naBe-Plattform. Im Mittelpunkt stand das gegenseitige Kennenlernen, die Rolle nachhaltiger öffentlicher Beschaffung als gemeinsames Wirkungsfeld sowie die Frage, wie die Umsetzung der naBe-Kriterien in den Organisationen weiter gestärkt werden kann. Der Austausch zeigte deutlich: Praxisnahe Orientierung, sichtbare Good Practices und regelmäßige Vernetzung sind zentrale Hebel, um nachhaltige Beschaffung in öffentlichen Einrichtungen weiter voranzubringen.
Von der Diskussion in die Umsetzung
Die Instrumente sind vielfach vorhanden – nun geht es darum, sie mutig, koordiniert und mit Blick auf Wirkung einzusetzen. Öffentliche Beschaffung kann dort besonders viel bewegen, wo Bedarf, Marktkenntnis, rechtlicher Gestaltungsspielraum und politische Zielsetzungen zusammenspielen.
In der ECOVATION-Session am Nachmittag zum Thema „Kreislaufwirtschaft in die Beschaffung übersetzen“ zeigten konkrete Praxisbeispiele, wie Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Beschaffung bereits heute umgesetzt werden:
Christoph Nocker vom Vorarlberger Gemeindeverband machte deutlich, dass regionale Wertschöpfung auch ohne unzulässige Regionalkriterien über sachlich begründete Anforderungen wie Servicezeiten, Reparaturmöglichkeiten oder Verpackungsrücknahme gestärkt werden kann. Laura Bauer (naBe-Plattform) präsentierte in Vertretung von Andrea Bock (BMB) gemeinsam mit Ana Knapp (BBG) anhand der Geräteinitiative und der BBG-Beschaffungsmöglichkeiten, wie Refurbishment die Nutzungsdauer von IT-Hardware verlängert und Ressourcen schont. Heidi Sagmeister (ÖkoKauf Wien) und Elisabeth Tangl (DIE UMWELTBERATUNG) veranschaulichten mit dem ökologischen Bürostandort am Neuen Landgut, wie ÖkoKauf-Kriterien, Flächenreduktion, mobile Arbeitsformen und wiederverwendete Möbel zusammenspielen können. Sabine Krispel (Post) und Isabella Schütz (ÖBB) präsentierten mit dem Uniform-Recycling, wie Berufsbekleidung durch Bündelung, Sortierung und geeignete Verwertungspartner in Kreisläufe zurückgeführt werden kann.
Damit wird Beschaffung zu einem aktiven Beitrag für einen zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort Österreich – und zu einem zentralen Hebel, um Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam in Wirkung zu bringen.
Weitere Informationen: Ergänzende Details finden sich in den einzelnen Präsentationen – sehen Sie dazu die Links rechts in der Box.
Die ECOVATION 2026 war ein voller Erfolg: Sie bot viel Raum für fachlichen Austausch, neue Impulse und persönliches Networking – und zeigte eindrucksvoll, wie öffentliche Beschaffung Innovation, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam voranbringen kann.
Den Nachbericht, Fotos und Details zum FORUM ÖFFENTLICHE BESCHAFFUNG der BBG finden Sie hier: Rückblick Forum Öffentliche Beschaffung 2026 | Bundesbeschaffung GmbH
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Mitwirkenden, Vortragenden, Partnerinnen und Partnern sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die mit ihrer Expertise, ihren Perspektiven und ihrem Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.
Die Veranstaltung wurde gemäß den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens „UZ62 Green Meetings und Green Events“ zertifiziert.





Präsentationen der Speaker:
ECOVATION-ERÖFFNUNG:
- Monika Köppl-Turyna (EcoAustria): Wettbewerbsfaehigkeit_MKT.pdf
- Christian Richter-Schöller (Schiefer Rechtsanwälte): Zukunftsrecht_CRS.pdf
ECOVATION-Session: Kreislaufwirtschaft in die Beschaffung übersetzen – Beispiele aus der Praxis:
- Christoph Nocker (VGV): Regionale_Wertschoepfung_CN.pdf
- Ana Knapp (BBG): Refurbished_IT_AK.pdf
- Andrea Bock (BMB): Refurbished_Geraete_AB.pdf
- Heidi Sagmeister (Ökokauf Wien): Ressourcenschonung_KLW_HS.pdf
- Elisabeth Tangl (DIE UMWELTBERATUNG): Buerostandort_Umweltberatung_ET.pdf
- Sabine Krispel (Post) und Isabella Schütz (ÖBB): Uniform_Recycling_Pioniere_SK_IS.pdf


