Kleine Budgets, große Wirkung: Nachhaltiger Einkauf in Gemeinden
Ob beim Bau neuer Schulen, der Ausstattung von Kindergärten oder dem Einkauf von Alltagsbedarf wie Papier: Öffentliche Stellen in Österreich geben jährlich Milliardenbeträge aus. Nachhaltige Beschaffung spielt dabei eine zentrale Rolle für den Klimaschutz, denn die öffentliche Nachfrage verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Den öffentlichen Einkauf nachhaltiger zu gestalten, ist ein großer Klimahebel – neben den großen Playern wie Ministerien oder Ländern haben auch Gemeinden einen großen Einfluss und können mit bewussten Kaufentscheidungen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Angelika Tisch, Umwelttechnikerin am Interdisziplinären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ) in Graz und lange Jahre wissenschaftlicher Support der naBe-Plattform, hat in einem Interview mit Juliane Nagiller für die Ö1-Reihe „Nachhaltig leben: Klimafreundlicher Großeinkauf“ aufgezeigt, dass der öffentliche Einkauf eine große Hebelwirkung besitzt. Ein Hebel, der bei der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) bereits gut genutzt wird. Hier geht’s zum Nachhören:
Umsetzung nachhaltiger Beschaffung in Gemeinden
Im Interview wird betont, dass nicht nur Bund, Länder und große Städte, sondern auch einzelne Gemeinden durch bewusste Einkaufsentscheidungen einen entscheidenden Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten können.
Ein wesentliches Fundament bildet ein politisches Bekenntnis, etwa durch einen Gemeinderatsbeschluss, das deutlich macht, dass nachhaltige Beschaffung nicht als Einzelmaßnahme, sondern als strategische Zielsetzung verstanden wird. Dieser Schritt schafft Orientierung für alle Beteiligten und erleichtert spätere Entscheidungen.
Darauf aufbauend ist es sinnvoll, Schwerpunkte festzulegen. Diese können thematisch ausgerichtet sein – etwa auf Umwelt- und Klimaschutz, Abfallvermeidung, Ressourcenschonung oder die Einhaltung sozialer Standards entlang der Lieferkette. Ebenso können Gemeinden bestimmte Produktgruppen in den Fokus rücken, beispielsweise IT Geräte, Reinigungsmittel, Möbel oder Fahrzeuge. Ein solcher Zugang erleichtert den Einstieg, weil er gut planbar ist und konkrete Maßnahmen ermöglicht, ohne das gesamte Beschaffungsportfolio auf einmal umstellen zu müssen. Auf diese Weise wird das Thema „nachhaltige Beschaffung“ deutlich handhabbarer.
Für die praktische Umsetzung bieten anerkannte Gütesiegel wertvolle Orientierung. Bei technischen Geräten weist etwa das Siegel TCO Certified darauf hin, dass Produkte langlebig, schadstoffarm und robust sind und unter fairen Bedingungen hergestellt wurden.
Weitere Umweltzeichen helfen dabei, nachhaltige Produkte in unterschiedlichsten Produktgruppen zu identifizieren. In diesem Zusammenhang stellt die naBe Plattform eine Übersicht über relevante Gütesiegel bereit, die Gemeinden dabei unterstützt, passende Produkte und Kriterien zu finden: Datenbanken – naBe
Ein weiterer zentraler Aspekt nachhaltiger Beschaffung ist das Denken in Kreisläufen. Es lohnt sich zu prüfen, welche Materialien oder Geräte weiterverwendet werden können, ob sie sich für Reparaturen eignen oder ob wiederaufbereitete Produkte eine sinnvolle und kosteneffiziente Alternative zum Neukauf darstellen. Dieser Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Produkts trägt dazu bei, Ressourcen zu schonen und den finanziellen Aufwand langfristig zu reduzieren.
Als übergeordnete Orientierung dient der naBe Aktionsplan. Er ist ein praktischer Leitfaden, der Gemeinden – und andere Beschaffungsstellen – dabei unterstützt, Nachhaltigkeit Schritt für Schritt im Beschaffungsprozess zu verankern.
Lesen Sie hier auch mehr über den Neueinstieg in die nachhaltige Beschaffung: In ersten Schritten zur nachhaltigen Beschaffung – naBe
Sie sind nicht alleine!
Die naBe-Plattform steht Gemeinden beratend zur Seite und bietet Orientierung zu Kriterien, Gütesiegeln und praxisnahen Schritten der nachhaltigen Beschaffung.
Eine gute Möglichkeit besteht auch darin, den Einkauf über die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) abzuwickeln. Als zentraler Einkaufs- und Lösungspartner der öffentlichen Hand bündelt die BBG Bedarfe, führt Ausschreibungen durch und stellt Rahmenvereinbarungen bereit. Dadurch können öffentliche Auftraggeber über den e Shop der BBG einkaufen – vergaberechtssicher und ohne den Aufwand eigener Ausschreibungsverfahren.
Auch der nachhaltige Einkauf ist dabei möglich. Viele der ausgeschriebenen Produkte und Dienstleistungen erfüllen anerkannte ökologische und soziale Kriterien und erleichtern es Gemeinden, Nachhaltigkeit direkt in ihren Beschaffungsprozess einzubetten. Eine Orientierungshilfe bietet der naBe-Filter im e-Shop, der gezielt bei der Auswahl nachhaltiger Produkte unterstützt.
Weitere Informationen dazu, wie man Kunde der BBG werden kann, finden Sie hier: Kunde werden | Bundesbeschaffung GmbH
Netzwerke wie Klimawandelanpassungsmodelregionen oder das e5 Programm für energieeffiziente Gemeinden zeigen, dass für Gemeinden die Themen Regionalität und Nachhaltigkeit gemeinsam gedacht werden müssen.
Um Gemeinden beim nachhaltigen Einkauf zu unterstützen, wurde im Rahmen des Projektes „ProCure“ ein praxisnahes, niedrigschwelliges und speziell auf die Bedürfnisse von Verwaltungen kleinerer Gemeinden zugeschnittenes Handbuch entwickelt. Gemeindemitarbeiterinnen und -mitarbeiter können Tools auf der Website von „Allianz in den Alpen“ kostenfrei downloaden – sehen Sie dazu die weiterführenden Links.
Weiterführende Links:
Klimafreundlicher Großeinkauf | FR | 16 01 2026 | 11:55 – oe1.ORF.at
Alles für Gemeinden & Städte | Bundesbeschaffung GmbH
Kosten und Leistungen der BBG | Bundesbeschaffung GmbH
Kunde werden | Bundesbeschaffung GmbH
Das Netzwerk für die Alpen-Gemeinden
KLAR! Klimawandel-Anpassungsmodellregionen
IFZ | Interdisziplinäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur |
Öffentliche Beschaffung | IFZ | Interdisziplinäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur
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