Nachhaltige Beschaffung von Holz
Holz als strategischer Rohstoff: nachhaltig beschaffen, ressourcenschonend bauen, Kreisläufe stärken.
Der naBe-Aktionsplan thematisiert Holz als Roh- und Werkstoff in mehreren Produktgruppen: Bei Papier liegt der Schwerpunkt auf Recyclingfasern. Für Frischfasern muss Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Auch bei der Beschaffung von Möbeln ist die legale und nachhaltige Holzbeschaffung zentral. Stehen Holzwerkstoffe doch für Langlebigkeit und Reparierbarkeit. Im Hochbau gibt es keine verpflichtenden Quoten zum Einsatz von Holz als Baumaterial. Dabei ist sicherzustellen, dass das eingesetzte Holz aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammt. Bei Neubauvorhaben, Sanierung, Zu- und Ausbauten soll die Option eines Holzbaus jedoch stets geprüft werden. Die Verwendung von nachwachsenden Bau- und Werkstoffen im Sinne der Bioökonomie ist auch daher zu forcieren. Denn Holz kann sich vorteilhaft auf Klimabilanz, Ressourceneffizienz, Lebenszykluskosten und Kreislaufwirtschaft auswirken. Folglich zielt der naBe-Aktionsplan auf die nachhaltige Herkunft, eine lange Nutzungsdauer und die kreislauffähige Verwendung von Holz und Holzprodukten ab.
Holzbau ist weit fortgeschritten
Holz ist ein nachwachsender Baustoff und im Bauwesen traditionell verankert. Durch innovative Bauweisen kann Holz im mehrgeschossigen Hochbau tragende Funktionen übernehmen. Es erfüllt bei fachgerechter Planung auch alle Anforderungen an Statik, Brand-, Schall- und Wärmeschutz und bietet – ob eines hohen Vorfertigungsgrads – oftmals Vorteile bei Bauzeit, Präzision sowie modularen Baukonzepten. Ökologisch ist Holz vor allem attraktiv, weil es während des Wachstums CO₂ bindet und über die Nutzungsdauer eines Gebäudes speichert. Zudem kann es emissionsintensive Materialien wie Beton und Stahl teilweise ersetzen. Auch bei der grauen Energie schneidet Holz meist günstiger ab. Insbesondere, wenn regionales Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft zum Einsatz kommt.
Strategische Beschaffung von Holz
Auch können Materialkosten höher sein als bei konventionellen Bauweisen, werden aber oft durch kürzere Bauzeiten, einer Gewichtsreduktion und niedrigere Fundamentkosten kompensiert. Für Vergaben im Hochbau kommen bei Holz insbesondere ökologische, technische und wirtschaftliche Kriterien in Betracht. Zu den ökologischen Aspekten zählen die Klimabilanz, die nachhaltige Herkunft des Holzes, Ressourceneffizienz sowie der Verzicht auf schadstoffhaltige Holzschutzmittel. Technisch variieren die Anforderungen je nach Produktgruppe. Im Hochbau setzt der naBe-Aktionsplan auf Systemoffenheit: Holz kann via technische Spezifikationen oder als Bewertungsfaktor berücksichtigt werden, sollte aber nicht ohne sachliche Begründung als alleiniger Baustoff vorgeschrieben werden. Als Nachweise eignen sich Zertifikate, Umweltproduktdeklarationen oder Standards wie klimaaktiv.
Rohstoff aus heimischen Wäldern
Österreich verfügt mit rund 48 Prozent Waldanteil über eine starke Rohstoffbasis. Holz ist damit ein strategisch wichtiger, erneuerbarer Rohstoff. In Österreich wird trotz zunehmender klimawandelbedingter Schadereignisse weiterhin weniger Holz genutzt, als nachwächst. Der Holzvorrat in den österreichischen Wäldern steigt seit den 1960er-Jahren kontinuierlich an. Eine nachhaltige Holznutzung bleibt aber wesentlich, um den notwendigen Waldumbau zu unterstützen und die Resilienz der Wälder gegenüber klimabedingten Belastungen langfristig zu stärken. Ein großer Teil des eingeschlagenen Holzes entfällt auf Sägerundholz. Daneben fallen weitere Sortimente wie Energieholz und Industrieholz für Platten- und Papierindustrie an. An die Forstwirtschaft schließt die exportorientierte Holzindustrie mit zahlreichen Sägewerken und verarbeitenden Betrieben an. Trotz der starken heimischen Rohstoffbasis ist die österreichische Holzindustrie aufgrund ihrer hohen Verarbeitungskapazitäten auch auf Rohholzimporte angewiesen, insbesondere aus benachbarten europäischen Staaten wie Tschechien, Deutschland, Slowenien, der Slowakei und Italien. Rechtlich unterliegen die Importe strengen Vorgaben.
Holz in der Europäischen Union
Auf EU-Ebene sind mehrere Regelwerke relevant. Die neue Bauprodukteverordnung (CPR 2024) regelt das Inverkehrbringen von Bauprodukten, einschließlich Holzbauteilen. Die bisherige Holzhandelsverordnung (EUTR) verbietet das Inverkehrbringen illegal geschlagenen Holzes und wurde Ende 2025 von der Entwaldungsverordnung (EUDR) abgelöst. Die EUDR verpflichtet Unternehmen, u.a. Holz und Holzerzeugnisse legal und entwaldungsfrei zu erzeugen. Dafür sind etwa die Geolokalisierung der Produktionsflächen und Sorgfaltserklärungen erforderlich.
Der österreichische Weg
Rund vier Fünftel des österreichischen Waldes befinden sich in Privateigentum. Der öffentliche Wald umfasst insbesondere Wälder des Bundes, der Länder und der Gemeinden. Zu den größeren Waldeigentümern zählen daneben unter anderem kirchliche und private Forstbetriebe. Die Österreichischen Bundesforste verwalten die Wälder der Republik Österreich und verfolgen forstliche, ökologische und wirtschaftliche Ziele gleichermaßen. Der Bund fördert mit dem Waldfonds seit 2020 die Bewältigung der Folgen des Klimawandels in der Forstwirtschaft. Für die Jahre 2027 und 2028 ist ein Resilienzfonds von insgesamt 91 Millionen Euro vorgesehen, davon 54 Millionen Euro für den Bereich Wald und 37 Millionen Euro für die Gewässerökologie. Ziele im Waldbereich sind klimafitte und resiliente Wälder, Biodiversität sowie eine verstärkte Nutzung von Holz als Beitrag zum Klimaschutz. Wiederaufforstung nach Schadereignissen, der Umbau zu Mischwäldern, Maßnahmen gegen Borkenkäferschäden, Waldbrandprävention, Forschung sowie die Förderung der Holznutzung einschließlich Holzbauprojekten sind weitere Prioritäten. Zuständig ist das BMLUK. Die Abwicklung erfolgt über Länder, AMA, FFG oder KPC.
Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ist das zentrale Immobilienunternehmen des Bundes und zuständig für die Bereitstellung und Bewirtschaftung von Raum für Bundeszwecke. Der naBe-Aktionsplan setzt hier für Neubauten und Generalsanierungen einen neuen Standard. Mit ihrem Holistic Building Program (HBP) setzt die BIG konzernweit bereits verbindliche Mindeststandards für nachhaltiges Bauen. Holz ist dabei kein Muss, wird aber als ökologischer Baustoff positiv berücksichtigt. Auch der klimaaktiv-Gebäudestandard bewertet Gebäude ganzheitlich in den Kategorien Energie, Ressourcen und Kreislaufwirtschaft, Klimawandelanpassung sowie Komfort und Gesundheit. Auch hier sind keine Mindestholzanteile vorgeschrieben. Es kann jedoch in der ökologischen Bewertung Vorteile bringen. Insgesamt zeigt sich: Holz ist und bleibt in Österreich ein strategisch relevanter Rohstoff für Klimaschutz, Energiewende und Kreislaufwirtschaft.
Weiterführende Links:
Öst. Umweltzeichen RL 06 und EU Ecolabel 049 – Möbel
Öst. Umweltzeichen RL 07 Holz und Holzwerkstoffe und Fußbodenbeläge
DUBA – Aktualisierte Ökobilanz von Grafik- und Hygienepapier
BMLUK – Stärkung-Holzbau-in-Österreich
BIG – Holistic Building Program
Klimaaktiv – Holzstroeme-in-Österreich-2023
JRC – Extended Technical Brief. Public-Procurement for Wooden Buildings.pdf
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