Good Practice-Beispiel: Schulbuffet am BG/BRG Lichtenfels mit sozialem Mehrwert
Dieses Beispiel gehört zur Sammlung der Good Practice zur nachhaltigen Beschaffung. In den Beispielen werden Beschaffungsprojekte, die im Kontext des Aktionsplans für nachhaltige Beschaffung stehen, vorgestellt. Bei Fragen zu den Projekten kontaktieren Sie bitte die angegebene Ansprechperson. Sie haben auch ein Good Practice der nachhaltigen Beschaffung? Dann melden Sie sich bitte unter office@nabe.gv.at.
Die SASt GmbH – Soziale Arbeit Steiermark ist eine gemeinnützige Organisation für benachteiligte Personen zur Stabilisierung, Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt durch Beschäftigung. Sie betreibt seit 1.9.2023 das Schulbuffet am BG/BRG Lichtenfels. Ziel ist die zuverlässige Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit Jause und Mittagessen, die Schaffung von Arbeits- und Qualifizierungsplätzen für benachteiligte Personen sowie die Sicherstellung des Betriebs von Schulbuffet und Kantine auch bei Personalausfällen durch abgestimmte Kooperation mit der Schule und Partnern.
Bitte stellen Sie Ihr Projekt kurz vor.
Ausgangspunkt des Beschaffungsprojekts war der Bedarf des BG/BRG Lichtenfels in Graz, ihre Schulbuffets zuverlässig, qualitativ hochwertig zu vergeben. Am BG/BRG Lichtenfels betreibt die Schule zusätzlich eine eigene Kantine, in der täglich bis zu 150 Kinder mit Mittagessen versorgt werden. Die Ausgabe und der Abwasch waren für die Schule organisatorisch schwierig zu bewältigen, da dafür nur eine angestellte Person zur Verfügung stand. Gleichzeitig verfolgte die SASt GmbH das Ziel, zusätzliche Arbeits- und Qualifizierungsplätze für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen – insbesondere Frauen – zu schaffen. Das Projekt bot die Möglichkeit, soziale Ziele mit öffentlicher Beschaffung zu verbinden.
Können Sie die Vorgehensweise kurz beschreiben?
Ausgeschrieben wurde der Betrieb des Schulbuffets als Dienstleistungsausschreibung. Der Prozess startete mit der Ausschreibung des Schulbuffets durch die Direktion des BG/BRG Lichtenfels ab 1.9.2023. Die SASt GmbH legte ein Angebot mit konkurrenzfähigen Preisen, Qualitätsstandards („G“) und sozialem Mehrwert vor. Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit der Schulverwaltung unter der Leitung von Mag. Direktor Nikolaus Holzapfel (HO) und unter Einbindung der Bildungsdirektion Steiermark. Seitens der SASt GmbH war Mag. Anton Edelsbrunner für die Umsetzung verantwortlich. Nach Zuschlagserteilung wurde gemeinsam eine klare Aufgabenaufteilung zwischen Schule und SASt erarbeitet. Diese sichert, dass sowohl im Schulbuffet als auch in der Kantine der Betrieb auch bei Personalausfällen möglichst stabil aufrechterhalten werden kann. Abläufe für Jausen- und Mittagessensausgabe sowie Abwasch wurden abgestimmt und das Personal eingeschult.
Können Sie nähere Details zur Ausschreibung erläutern?
Gegenstand war der Betrieb des Schulbuffets am BG/BRG Lichtenfels ab 1.9.2023. Eignungskriterien umfassten fachliche Qualifikation und Erfahrung, technische Spezifikationen betrafen Qualität der Produkte (zertifiziert „Gesundes Schulbuffet“) und reibungslose Abläufe. Zuschlagskriterien waren Preis, Qualität, sozialer Mehrwert und Mehrwert für die Schule. Vertragsbedingungen regelten Betrieb und Personal. Auftragswert: laufend; Verfahrensart: öffentliche Ausschreibung durch die Schulverwaltung. Die Ausfallabsicherung der Kantine war kein Ausschreibungskriterium, wurde aber in den Verhandlungen als zusätzlicher Mehrwert vereinbart. Die Verfahrensart war ein offenes Verfahren. Die Eignungskriterien der Ausschreibung waren:
- Zugangsvoraussetzungen: zB.: Gewerberechtliches
- Warenliste (Qualität, Umfang, Preis)
Im Sinne eines nachhaltigen und gesunden Schulbuffets
- Öffnungszeiten
- Referenzen
Zusätzlich haben wir (SASt) im Angebotsverfahren unseren Mehrwert bei einer Kooperation der Schulkantine eingebracht.
Anhang: Zertifikatsinfo: Gesundes Schulbuffet
Was ist der Bezug zum naBe-Aktionsplan?
Das Beispiel ist besonders sozial nachhaltig, da durch den Buffet- und Kantinenbetrieb gezielt am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen – vor allem Frauen – beschäftigt, qualifiziert und stabilisiert werden. Gleichzeitig wird der Schulalltag unterstützt und die Versorgung der Schülerinnen und Schüler verbessert. Ökologisch und gesundheitlich nachhaltig ist das Angebot durch die Orientierung an regionalen Produkten und die Zertifizierung als „Gesundes Schulbuffet“. Wirtschaftlich nachhaltig wirkt das Projekt durch Eigenerwirtschaftung und die Reduktion öffentlicher Fördermittel. Die naBe-Kriterien wurden integriert, indem soziale und qualitative Aspekte neben dem Preis berücksichtigt wurden. Angewandt wurden u. a. die Grundsätze der Bundesbeschaffung sowie Bestimmungen zur sozialen Beschaffung und zur Beschäftigung gemeinnütziger Organisationen.
- Im sozialen Bereich war es uns ein besonderes Anliegen, dass durch den Betrieb des Buffets Arbeitsplätze für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personen geschaffen werden. Zudem sollte das Schulbuffet als zusätzliches Geschäftsfeld Einnahmen für eine gemeinnützige Organisation generieren und damit einen gesellschaftlichen Mehrwert leisten. Zusätzlich ist die Organisation ( und somit auch dieser Standort) mit dem Qualitätsmanagementgütesiegel für Soziale Unternehmen der Quality Austria zertifiziert.
- Im ökologischen und regionalwirtschaftlichen Bereich wurde auf die Zusammenarbeit mit regionalen Lieferanten geachtet, beispielsweise durch den Bezug von Frischgebäck von einem Grazer Bäcker sowie Obst und Gemüse von lokalen Händlern. Kaffee wird frisch mit einer Siebträgermaschine bereitet, verwendet werden dafür Bohnen der Grazer Rösterei Hornig (weniger Müll, weniger Transport, bessere Qualität im Vergleich zu Fertigprodukten/Kapselprodukten usw)
Darüber hinaus wird aus Umweltschutzgründen auf PET-Flaschen verzichtet und stattdessen Mehrweg-Glasflaschen verwendet. Zusätzlich wird das Buffet „Gesundes Schulbuffet“ von Styria vitalis zertifiziert. - Durch diese zusätzlichen Kriterien wird sichergestellt, dass das Schulbuffet nicht nur wirtschaftlich betrieben wird, sondern auch ökologische und soziale Verantwortung im Sinne der naBe-Kriterien übernimmt.
Welche Ziele und welcher Mehrwert konnten dadurch erreicht werden?
Durch das Projekt wurden zusätzliche Arbeits- und Qualifizierungsplätze für benachteiligte Personen bei der SASt GmbH geschaffen und gleichzeitig die Personalsituation der Schule entlastet. Schulbuffet und Kantine können nun auch bei Krankenständen oder Ausfällen verlässlich betrieben werden, da SASt und Schule personell abgestimmt zusammenarbeiten. Die Ausgabe von Jause und Mittagessen wurde beschleunigt und der Schulalltag spürbar erleichtert. Gleichzeitig erhält die Schule ein gesundes, qualitativ hochwertiges und wirtschaftlich tragfähiges Angebot mit sozialem Mehrwert.
Gab es Hürden im Verlauf des Beschaffungsprojekts und wie wurden diese überwunden?
Eine Hürde war die in der Ausschreibung geforderte Gewerbeberechtigung, die für die gemeinnützige SASt nicht erforderlich ist. Durch Abklärung mit Auftraggeber und Bildungsdirektion konnte dies geklärt und der Mehraufwand überwunden werden.
Ihr Rat an die öffentliche Verwaltung?
Öffentliche Auftraggeber sollten gemeinnützige Organisationen gezielt auf ihre Mehrwerte prüfen. Diese schaffen soziale, ökologische und qualitative Effekte, die Auftraggebern häufig nicht bewusst sind und die von rein wirtschaftlich orientierten Betrieben meist nicht finanziert werden können.
Als unentbehrlicher Hilfsbetrieb der öffentlichen Hand ist die gemeinnützige SASt GmbH berechtigt wirtschaftliche Tätigkeiten durchzuführen. Die SASt ist Mitglied der Sozialwirtschaft Österreich mit dem zugehörigen SWÖKV, sie unterliegt nicht der Gewerbeordnung und ist nicht Wirtschaftskammermitglied.
Weitere Hintergrundinformationen
Neben dem Schulbuffet am BG/BRG Lichtenfels betreibt die SASt GmbH weitere Schulbuffets, z. B. am Campus Graz und bei den Ursulinen. Zudem realisiert die Organisation kreative Kooperationen wie das SaxEis-Waffelhaus im Pavillon der Ausgrabung Flavia Solva sowie Partnerschaften mit Sturm Graz und dem GAK, deren Caterern und Eventlocations. Dadurch entstehen zusätzliche Lern- und Arbeitsmöglichkeiten für benachteiligte Personen.
Header und Beitragsbilder: © SASt GmbH




